Der Markt für Datenbrillen entwickelt sich schnell. In den letzten 19 Monaten haben Unternehmen wie Meta (mit 2 Millionen verkauften Ray-Ban-Brillen), Oakley, Lucyd, Xreal und MemoMind den Verbraucherbereich überschwemmt. Die neue G2-Brille von Even Realities baut auf dem G1-Modell der ersten Generation auf und zielt darauf ab, eine aufstrebende Produktkategorie zu verfeinern. Während die G2s beeindruckende Technologie aufweisen, darunter ein größeres Display und einen einzigartigen Smart-Ring-Controller, verhindern anhaltende Softwareprobleme ein wirklich nahtloses Erlebnis.
Design- und Hardware-Verbesserungen
Die Even G2 behält die elegante Ästhetik der ursprünglichen G1 bei und ist damit wohl die am besten aussehende Datenbrille, die derzeit erhältlich ist. Die Brille ist in zwei Rahmenstilen (A und B) mit Farboptionen wie Grau, Braun und einem neuen gedämpften Grün erhältlich. Das Gewicht wurde durch eine Magnesiumlegierung in Luft- und Raumfahrtqualität und Titanbügel um 0,28 Unzen reduziert, was den Tragekomfort bei längerem Tragen erhöht.
Wie die G1 verzichtet auch die G2-Brille auf Kameras und Audiowiedergabe und legt Wert auf Diskretion. Benachrichtigungen, Navigation, Übersetzungen und KI-Eingabeaufforderungen erscheinen kurz im Sichtfeld des Benutzers. Der optionale Smart Ring Even R1 für 249 US-Dollar bietet eine neuartige Steuerungsmethode: Tippen, Wischen oder Halten, um durch die Benutzeroberfläche zu navigieren. Der R1 umfasst auch grundlegendes Wellness-Tracking (Herzfrequenz, Schritte, Schlaf).
Das Display wurde mit Even HAO 2.0 aufgerüstet und nutzt Mikro-LED-Projektoren und Gradientenwellenleiteroptik. Dies führt zu einem um 75 % größeren, schärferen Bild, das als subtiles Rechteck innerhalb der Linsen sichtbar ist. Die Helligkeit erreicht 1.200 Nits, sodass das Display auch bei hellem Licht gut lesbar ist. Das G2 verfügt außerdem über die Schutzart IP67 gegen Wasser und Staub und unterstützt Korrektionsgläser mit bis zu ±12,00 Dioptrien. Die Akkulaufzeit hat sich auf zwei volle Tage verbessert.
Software- und KI-Funktionen: Vielversprechend, aber ungeschliffen
Sogar Realities hat sich stark auf die KI-Integration mit dem G2 konzentriert. Die „Teleprompt“-Funktion unterstützt öffentliche Reden durch die Anzeige eines scrollenden Transkripts in Echtzeit. Der integrierte virtuelle Assistent, unterstützt von Gemini, ChatGPT und Evens LLM, liefert Antworten auf gesprochene Fragen. Obwohl die KI genau ist, kann die Verarbeitungsgeschwindigkeit langsam sein, was eine flüssige Interaktion behindert.
Auch das „Navigieren“-Widget wurde verbessert und bietet klarere Kartenansichten und Wegbeschreibungen. Die Übersetzungsunterstützung wurde auf mehr als 33 Sprachen ausgeweitet, erfolgt jedoch weiterhin weitgehend nur in eine Richtung. Die bemerkenswerteste Funktion ist „Conversate“, die Gespräche in Echtzeit analysiert und kontextbezogene Hinweise (Definitionen, Biografien, Erklärungen) auf dem Heads-up-Display anzeigt. Es bietet auch ein Live-Transkript und eine Zusammenfassung. Das System funktioniert überraschend gut, allerdings können Informationen hinter dem Gespräch zurückbleiben, was zu unangenehmen Pausen führt.
Es gibt ethische Implikationen: Das G2 kann Gespräche ohne sichtbare Anzeige aufzeichnen, obwohl Even Realities behauptet, dass Audio nicht gespeichert wird. Benutzer sollten erwägen, ihre Zustimmung einzuholen, bevor sie diese Funktion aktivieren.
Zuverlässigkeitsbedenken und App-Ökosystem
Die Abhängigkeit des G2 von der Even-App (iOS und Android) führt zu Stabilitätsproblemen. Trotz Software-Updates müssen die Brille und der R1-Ring häufig neu gestartet, aktualisiert, verbunden oder getrennt werden. Die App ist minimalistisch und einfach zu navigieren und bietet anpassbare Benachrichtigungen sowie Zugriff auf Nachrichten, Kalender und Aktieninformationen.
Der R1-Ring ist eine wertvolle Ergänzung und ermöglicht eine subtile Steuerung. Durch Herumzappeln kann es jedoch zu einer versehentlichen Aktivierung kommen. Die Akkulaufzeit beträgt mit der mitgelieferten Ladestation vier Tage. Die Gesamtkosten (Brille + R1 + Korrekturgläser) belaufen sich auf 848 US-Dollar, was es zu einem Premium-Kauf macht.
Fazit
Die Even Realities G2 stellt einen bedeutenden Fortschritt im Design und der Funktionalität von Datenbrillen dar. Die Hardware ist verfeinert und die KI-Funktionen zeigen echtes Potenzial. Allerdings verhindern die anhaltende Softwareinstabilität und Konnektivitätsprobleme, dass es sich um ein wirklich reibungsloses Erlebnis handelt. Das G2 ist ein vielversprechendes Gerät, bei der Hardware muss es aber noch aufholen.




















