GoFundMe steht unter Verdacht, eine Crowdfunding-Kampagne weiterhin aktiv zu lassen, die darauf abzielt, Gelder für die mögliche Rechtsverteidigung eines Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) zu sammeln, der Renee Nicole Good, eine Zivilistin in Minneapolis, erschossen hat. Trotz der erklärten Politik der Plattform, die Rechtsverteidigung in Fällen von Gewaltverbrechen nicht zu unterstützen, wirbt die Spendenaktion mit dem Titel „ICE OFFICER Jonathan Ross“ weiterhin um Spenden, was Fragen zur selektiven Durchsetzung ihrer eigenen Regeln aufwirft.

Der Widerspruch in der Politik

Die GoFundMe-Kampagne fordert 550.000 US-Dollar für Jonathan Ross, den ICE-Agenten, der als Schütze identifiziert wurde und noch nicht offiziell eines Verbrechens angeklagt wurde. Dies steht in direktem Widerspruch zu den Nutzungsbedingungen von GoFundMe, die Spendenaktionen zur Rechtsverteidigung im Zusammenhang mit Gewaltverbrechen wie Mord oder Körperverletzung ausdrücklich verbieten. Die Inkonsistenz ist auffällig, da GoFundMe bereits im Jahr 2015 ähnliche Kampagnen für Strafverfolgungsbeamte entfernt hat, die in anderen tödlichen Schießereien angeklagt wurden, darunter auch in Fällen, in denen Freddie Gray in Baltimore und Walter Scott in South Carolina verwickelt waren.

Ermittlungen und Einmischung des Bundes

Die Schießerei wird derzeit vom FBI untersucht, wobei die Bundesbehörden staatliche Ermittler von der Teilnahme abhalten, was die Beamten von Minnesota dazu veranlasst, unabhängig Beweise zu sammeln. Dieser Eingriff wirft Bedenken hinsichtlich der Transparenz und Rechenschaftspflicht in diesem Fall auf. Mittlerweile hat GoFundMe erklärt, dass es die Spendenaktion „überprüft“, sie aber noch nicht entfernt hat, selbst nachdem die Sprache der Kampagne aufgrund von Anfragen von WIRED geändert wurde.

Selektive Durchsetzung und frühere Maßnahmen

Die Untätigkeit von GoFundMe steht im Gegensatz zu seinen früheren Entscheidungen, Spendenaktionen für wegen Gewaltverbrechen angeklagte Strafverfolgungsbeamte zu streichen. Im Jahr 2015 erklärte eine Unternehmenssprecherin: „GoFundMe kann nicht zugunsten derjenigen genutzt werden, denen schwere Gesetzesverstöße vorgeworfen werden.“ Die aktuelle Situation deutet auf eine mögliche Doppelmoral bei der Durchsetzung hin, was dazu führt, dass Spender und die Öffentlichkeit die Integrität der Plattform in Frage stellen.

Laufende Prüfung und zukünftige Auswirkungen

Die anhaltende Präsenz der Spendenaktion unterstreicht die Herausforderungen, vor denen Crowdfunding-Plattformen stehen, wenn es darum geht, freie Meinungsäußerung mit verantwortungsvoller Moderation von Inhalten in Einklang zu bringen. Da die Ermittlungen voranschreiten und der öffentliche Druck zunimmt, könnte GoFundMe gezwungen sein, seinen Ansatz zu überdenken.

Dieser Fall verdeutlicht einen wachsenden Trend: Tech-Plattformen haben Schwierigkeiten, in politisch brisanten Fällen zurechtzukommen und gleichzeitig die konsequente Durchsetzung von Richtlinien aufrechtzuerhalten, was häufig zu Vorwürfen der Voreingenommenheit oder der selektiven Anwendung von Regeln führt. Das Ergebnis wird wahrscheinlich einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie in Zukunft mit ähnlichen Situationen umgegangen wird.