Die jährliche Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas war einst eine zentrale Bühne für Automobilhersteller. Dieses Jahr markierte jedoch einen krassen Aufschwung: Autos fehlten auffällig. Was einst ein Schlachtfeld für Automobilinnovationen war, hat sich stillschweigend verändert, was auf tiefgreifendere Branchentrends und eine sich verändernde globale Machtdynamik hindeutet. Der Mangel an neuen Fahrzeugenthüllungen ist nicht nur eine Frage des Timings; Es spiegelt einen kritischen Moment für die US-amerikanische Automobilindustrie und die gesamte Automobillandschaft wider.
Aufstieg und Fall der Automobilpräsenz auf der CES
Vor einem Jahrzehnt war die CES eine Pflichtveranstaltung für Automobilhersteller, die sich Glaubwürdigkeit vom Silicon Valley leihen wollten. Der Wandel begann mit dem Elektroboom, als Unternehmen wie Mercedes-Benz offen anerkannten, dass die CES nach Detroit die zweitwichtigste Messe sei. Aber diese Ära ist vorbei. Automobiltechnik ist heute kein Novum mehr; es ist eine Erwartung. Die Branche hat Elektrifizierung, Software und fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme (ADAS) industrialisiert und macht das Spektakel einer Bühne in Las Vegas überflüssig.
Der Schwerpunkt verlagert sich nach China
Die wahre Geschichte hinter dem Verschwinden der Autos ist die globale Neuausrichtung der Automobilmacht. China hat sich schnell zum Marktführer in den Bereichen Elektroinnovation, Softwareintegration und Fertigungsgeschwindigkeit entwickelt. Während die US-Verkaufszahlen schwanken und einige Hersteller sogar Plug-in-Hybride aus dem Verkehr ziehen, sind chinesische Giganten wie BYD auf dem Vormarsch und überholen Tesla bei den weltweiten Verkäufen.
„Shanghai ist für viele Hersteller strategisch wichtiger geworden als die CES, weil dort jetzt die schnellsten Innovationszyklen, Lieferketten und Verbrauchernachfrage stattfinden.“
— Andy Palmer, ehemaliger COO von Nissan und ehemaliger CEO von Aston Martin Lagonda
Chinesische Autohersteller dominieren nicht nur ihren Heimatmarkt; Sie suchen aktiv nach neuen Plattformen, um ihre Fortschritte zu präsentieren. Da die CES aufgrund der Unsicherheiten auf dem US-Markt nicht mehr vom Tisch ist, haben sie ihre Aufmerksamkeit auf die europäische IAA Mobility in München gerichtet und viel in deren Bekanntheit investiert.
Warum der US-Markt in der Neutralität steckt
Das Fehlen neuer amerikanischer Autos auf der CES ist symptomatisch für ein tiefer liegendes Problem: den Rückstand der US-Autoindustrie. Politische Faktoren wie Trumps Offenheit gegenüber Verbrennungsmotoren und die langsame Einführung von Elektrofahrzeugen aufgrund auslaufender Steuergutschriften tragen zu dieser Stagnation bei.
Mittlerweile arbeitet China nach einem drastisch schnelleren Zeitrahmen. Ihre Vorlaufzeit von der Forschung und Entwicklung bis zur Markteinführung beträgt durchschnittlich zwei Jahre, verglichen mit den sieben Jahren, die bei traditionellen Herstellern üblich sind. Diese Geschwindigkeit macht jährliche Veranstaltungen wie die CES überflüssig, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Zukunft der Automobilvitrinen
Der Branchenkonsens ist klar: Die Zukunft der Automobilvitrinen liegt anderswo. Chinas Automessen in Shanghai und Peking sind heute die wichtigsten Bühnen, um Innovation und Dominanz zu signalisieren. Der mit internen Herausforderungen kämpfende US-Markt steht nicht mehr im Mittelpunkt.
Damit die CES bzw. US-Automarken wieder an Bedeutung gewinnen, ist ein bahnbrechender Wandel in der Fahrzeugentwicklung erforderlich. Aber angesichts der aktuellen Entwicklung könnte selbst das zu spät kommen. Die Innovationsgeschwindigkeit in China bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Planung der nächsten großen Messe bereits neue Produkte auf dem Markt sein werden. Die Branche hat sich weiterentwickelt und die Ära des Automobilspektakels in Las Vegas verschwindet langsam in den Hintergrund.
