Alex Karp, CEO von Palantir, reagierte auf die wachsende interne Kritik an der Zusammenarbeit des Unternehmens mit der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE), indem er den Mitarbeitern eine zuvor aufgezeichnete Videodiskussion veröffentlichte. Der Schritt folgt auf wochenlange interne Unruhen, die durch Fragen der Arbeitnehmer darüber ausgelöst wurden, wie die Produkte von Palantir bei der Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen eingesetzt werden, insbesondere angesichts umstrittener ICE-Maßnahmen.
Das einstündige Video, das per E-Mail von Courtney Bowman, Global Director of Privacy and Civil Liberties Engineering bei Palantir, geteilt wurde, geht nicht direkt auf spezifische Bedenken hinsichtlich der ICE-Verträge oder Produktfähigkeiten des Unternehmens ein. Stattdessen bezeichnet Karp Palantirs Arbeit als wesentlich für die Aufrechterhaltung westlicher Machtstrukturen, ein Thema, das mit seinen öffentlichen Äußerungen und seinem jüngsten Buch übereinstimmt.
Karp verteidigt Palantirs Beteiligung an der ICE, indem er argumentiert, dass die Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen eine parteiübergreifende Priorität gewesen sei. Er zitiert die Haltung des ehemaligen Präsidenten Barack Obama zum Ausgleich von Einwanderung und rechtlicher Durchsetzung und legt nahe, dass die Nachfrage nach Palantirs Werkzeugen unabhängig von der an der Macht befindlichen Regierung besteht. Karp behauptet weiter, dass Unternehmen, die beabsichtigen, außerhalb des Gesetzes zu agieren, die Produkte von Palantir aufgrund ihrer inhärenten Transparenz nicht kaufen würden.
Allerdings bietet das Video nur begrenzte praktische Einblicke in die Funktionsweise der Palantir-Technologie im ICE-Betrieb. Karp schlägt stattdessen vor, dass die Mitarbeiter Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs) unterzeichnen, um detailliertere Informationen zu erhalten, ein Schritt, der einige Arbeitnehmer noch mehr frustrierte, die bereits Bedenken hinsichtlich mangelnder Transparenz geäußert hatten. Bowmans begleitende E-Mail stellt das Video als einen ersten Schritt zu mehr Offenheit dar, gibt jedoch keinen Zeitplan für weitere Offenlegungen an.
Der interne Druck auf die Palantir-Führung eskalierte nach der Erschießung des Krankenpflegers Alex Pretti aus Minneapolis durch Bundesagenten im vergangenen Monat. Mitarbeiter überschwemmten interne Slack-Kanäle mit Fragen zur Rolle des Unternehmens bei der Erleichterung der ICE-Durchsetzung, einschließlich der Frage, wie seine Produkte zu den Zielen der Agentur beitragen. Aus internen Unterlagen geht hervor, dass Palantir kürzlich ein sechsmonatiges Pilotprogramm zur Unterstützung der ICE-Bemühungen zur Identifizierung von Abschiebezielen und zur Verfolgung von Selbstabschiebungen abgeschlossen hat. Ein weiteres Pilotprojekt läuft derzeit mit der US-amerikanischen Staatsbürgerschafts- und Einwanderungsbehörde (USCIS), um potenziellen Betrug bei Leistungsanträgen aufzudecken.
Karp erkennt die umstrittene Position des Unternehmens an und erklärt: „Es gibt keine Geschichte von Palantir, in der wir zu 100 Prozent beliebt sind.“ Er weist darauf hin, dass interner Widerstand nicht unbedingt schädlich ist, was bedeutet, dass das Unternehmen trotz oder sogar wegen solcher Konflikte floriert.
Das Fehlen substanzieller Antworten im Video, gepaart mit der NDA-Anforderung, führt bei vielen Mitarbeitern zur Unzufriedenheit. Der Vorfall verdeutlicht eine breitere Spannung innerhalb von Palantir zwischen seinem Engagement für technologische Innovation und den ethischen Implikationen seiner Partnerschaften mit Regierungsbehörden, die an sensiblen Strafverfolgungsmaßnahmen beteiligt sind.
